Unser Besuch beim Workshop HOLO-VOICES auf der Zeche Zollverein
Wir, die Klasse 10a, haben uns am 11. März mit unserer Klassenlehrerin Frau Schulte auf den Weg nach Essen gemacht, um am gerade neu initiierten Projekt HOLO-VOICES teilzunehmen.
HOLO-VOICES gibt Überlebenden des Holocausts eine Stimme für die Ewigkeit. Dank modernster KI und Hologramm-Technik wurden die persönlichen Geschichten für die Nachwelt konserviert und Besucher:innen wird nun ein aktiver Dialog mit lebensechten digitalen Projektionen der Zeitzeug:innen ermöglicht.
Zu Beginn wurden wir sehr nett von einer Mitarbeiterin der Organisation „Zweitzeugen” empfangen und in einen Seminarraum gebracht. Hier haben wir uns mit Antisemitismus und der Bedeutung von Zeitzeug:innen auseinandergesetzt. Was bleibt, wenn die letzten Zeug:innen des Holocausts verstorben sind? Gedenkstätten, Forschungseinrichtungen und Historiker:innen müssen auf das Fehlen der Zeitzeug:innen reagieren und so ist die Idee des Projektes HOLO-VOICES entstanden. Durch modernste Hologramm-Technik und KI-Technik ist es nun möglich, Zeitzeug:innen Fragen zu stellen.
In einem vierstündigen Workshop haben wir zunächst in der Ausstellungshalle in Kleingruppen die Biografien von Inge Auerbacher und Kurt Salalomon Maier entdecken können. Das war für uns alle eine großartige und sehr spannend gestaltete Ausstellung.
Wir haben uns an diesem Tag insbesondere mit der Geschichte von Inge Auerbacher (91 Jahre alt, lebt in den USA) beschäftigt.
Inge Auerbacher wuchs als einziges Kind in einer strenggläubigen jüdischen Familie auf und verbrachte ihre Kindheit in Jebenhausen und Göppingen (Baden-Württemberg) . Ihr Vater war für seine Verdienste im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Als Siebenjährige wurde sie am 22. August 1942 mit ihren Eltern vom Stuttgarter Nordbahnhof in das Ghetto Theresienstadt deportiert. 20 Mitglieder ihrer Familie wurden von den Nationalsozialisten ermordet, darunter die Großmutter von Inge Auerbacher. Nach der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee am 8. Mai 1945 kam die Familie zunächst in ein Flüchtlingslager in Stuttgart und kehrte dann für kurze Zeit nach Göppingen zurück, ehe sie in die USA auswanderte. Inge Auerbacher litt gesundheitlich schwer unter den Folgen des von Hunger und Krankheiten geprägten Lageraufenthalts. Sie war vier Jahre lang bettlägerig und musste unter anderem gegen Tuberkulose behandelt werden.
Unsere Klasse wurde in Gruppen aufgeteilt und sollte sich jeweils mit verschiedenen Abschnitten aus Inges Leben befassen, wie zum Beispiel ihrer Kindheit in Baden-Württemberg, ihrer Deportation, ihrem Überleben im Konzentrationslager Theresienstadt, ihrer Befreiung, ihrem Leben nach dem Krieg, ihrer Auswanderung in die USA. Wir haben diese Information bei dem Gang durch die Ausstellung gesammelt. Jede Gruppe musste die Informationen zum jeweiligen Lebensabschnitt von Inge dann im Plenum den anderen vorstellen.
Anschließend haben wir uns auf dem Weg in den Interaktionsraum gemacht, in dem Inges Hologramm steht. Hier konnten wir unsere gesammelten Fragen stellen. Inge Auerbacher wohnt mittlerweile in Amerika und hat für die Funktion des Hologramms über fünf Tage hinweg an in jeweils 8-9 Stunden andauernden Interviews über ihr Leben vor ihrer Deportation, ihre schrecklichen Erfahrungen in Theresienstadt sowie ihr neues Leben in Amerika nach dem Krieg berichtet.
Für uns wurde Inges Leben durch das Hologramm sehr echt und nahbar, es wurden viele Fragen beantwortet, die persönlich und spezifisch waren. So haben wir erfahren, wie es war, als Kind in einem Konzentrationslager zu leben, wie sie Mitglieder ihrer Familie und Freunde zu verloren hat und wie hart der tägliche Kampf ums Überlebens in so einem jungen Alter war.
Wir alle waren uns einig, dass das Hologramm eine gute Möglichkeit ist, um die Erinnerung wach zu halten und zu konservieren und das auf eine sehr emotionale Art, auch wenn man gemerkt hat, dass die KI bei wenigen Antworten noch nicht immer einwandfrei funktioniert hat.
Abschließend sind wir zurück in den Seminarraum gegangen und haben noch viel über die Geschichte des Antisemitismus erfahren. Wie lange er schon verankert ist in der Welt und dass er auch heute noch sehr präsent ist, vor allem auf Social Media. Wir haben uns außerdem über Methoden Gedanken gemacht, wie man die Geschichten der Menschen, die Zeug:innen des Nationalsozialismus waren, erhalten kann. Wir haben diskutiert, was die richtigen Quellen sind und wie man kennzeichnet, dass es objektive, verlässliche und faktisch belegte Informationen sind, über die man im Internet stolpert.
Wir waren sehr beeindruckt von der Organisation und der Planung dieses Projektes und haben einen sehr lehrreichen und informativen, emotionalen Tag erlebt. Die Ausstellung kann man täglich von 12 bis 18:00 Uhr besuchen, der Eintritt ist frei und man kann sie Jugendlichen und Erwachsenen absolut ans Herz legen.
Neben uns hat auch die Klasse 10b und 10e das Projekt HOLO-VOICES besucht. Also großen Dank an die Lehrer:innen und die Organisation “Zweitzeugen“, welche uns diese außergewöhnliche Möglichkeit geboten haben.
Theresa Capovilla-Strohm, Klasse 10a