Besuch eines Zeitzeugen zur Verfolgung in der DDR

Am Freitag, dem 03.07.2026, bekamen die Klasse 10a und 10b Besuch von Sieghard Heyers.

Der ehemalige DDR-Gefangene nahm sich zweieinhalb Stunden Zeit, um uns von seiner Vergangenheit zu erzählen und im Anschluss all unsere Fragen zu beantworten.

Herr Heyers wurde 1962 in Leipzig geboren und wuchs in schwierigen Familienverhältnissen auf. Seine Mutter war überzeugte SED-Funktionärin, sein Vater sehnte sich nach einem freiheitlichen Leben im Westen. Als aktiver Leistungssportler im freien Ringkampf lernte er als Jugendlicher und junger Erwachsener zunächst die Vorzüge des Systems kennen. Herr Heyers erzählte uns, wie er in einem Ferienlager entdeckt wurde und dann nach Jena gezogen ist, um von nun an im Trainingszentrum zu leben. Nachdem er sich jedoch während einer politischen Schulung kritisch äußerte, wurde er aus dem Trainingszentrum ausgeschlossen. Daraufhin stellte er im August 1983 einen Ausreiseantrag. Gleiches tat auch sein Vater, mit dem er sich immer eng besprochen hat. Von da an litt er massiv unter den Repressionen des SED-Regimes. Im September 1983 geriet er in Streit mit einem SED-Funktionär und kam daraufhin wegen angeblicher Beleidigung in Haft.

Herr Heyers berichtete eindringlich und sichtlich bewegt von seiner Zeit in Gefangenschaft. Seine Schilderungen berührten uns sehr, insbesondere als er von grausamen Foltermethoden wie der Wasser- oder Stehzelle erzählte. Insgesamt verbrachte Herr Heyers 95 Tage im Gefängnis – eine Zeit, die er als die schlimmste seines Lebens bezeichnete. Während seiner Gefangenschaft verlor er jegliches Zeitgefühl. Die Zellen, so beschrieb er es, spiegelten „Katastrophe und Terror“ wider. Besonders der psychische Terror habe sich tief in sein Gedächtnis eingebrannt und ihn nachhaltig geprägt. Auch die Ernährung während der Gefangenschaft war äußerst mangelhaft und stellte eine zusätzliche Belastung dar. Die Erlebnisse dieser Zeit hinterließen bei Herrn Heyers tiefe Spuren.

Später wurde Herr Heyers in Abschiebehaft nach Chemnitz gebracht. Von dort gelangte er im Dezember 1983 in die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Häftlingsfreikaufs. Obwohl Heyers von da an in Westdeutschland lebte, wurde er bis zum Fall der Mauer von der Stasi observiert.

Neben seiner Vergangenheit in Gefangenschaft haben wir auch viel über seine Familie erfahren. Zum Beispiel, dass, wie sich später herausstellte, seine Mutter für die Stasi gearbeitet hatte, und seine Schwester ebenso Informationen über ihn an die Stasi weitergeleitet hatte. Sein Vater, der dem SED-Regime kritisch gegenüberstand, kam später auch nach Westdeutschland, während Mutter und Schwester weiterhin in der DDR blieben.

1988 begann Sieghard Heyers sich mit seiner Frau, welche für ihn ein ,,Rettungsanker‘‘ bildet, ein Leben in Bayern aufzubauen. Zuerst war er noch im Ringen aktiv und wurde dann Justizvollzugsbeamter.

In der Fragerunde erhielten wir detaillierte Einblicke in das Leben eines Kadersportlers in der DDR und den dem verbundenen Doping-Methoden. Zudem hat Herr Heyers erzählt, wie sein momentanes Verhältnis zu seiner Familie aussieht, und dass er keinen Kontakt mehr zu seiner Schwester habe, das Verhältnis zu seiner Mutter sich aber langsam bessere.

Seine persönlichen Erlebnisse machten Geschichte für uns greifbar und gaben einen besonderen Einblick in das Leben in der DDR und den Wert von Freiheit und Demokratie. Wir bedanken uns herzlich bei Sieghard Heyers, welcher sich die Zeit genommen hat, uns seine Geschichte nahe zu bringen und bei Frau Reemda Hahn von der Ruhr Uni Bochum und Frau Dr. Schulte, welche das Treffen organisiert haben.

Johanna Spiegelberg, Klasse 10a

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