kfjangljghalrhjglfjhgbhjgblhjgfsbj
kfjangljghalrhjglfjhgbhjgblhjgfsbj

Hauptmenü

Termine-Online

kfjangljghalrhjglfjhgbhjgblhjgfsbj
Zeitzeugenbesuch PDF Druckbutton anzeigen?

Nachhaltiges Erinnern an die Geschichte der DDR oder die Frage, wie demokratisch war die DDR? Ein Besuch von zwei Zeitzeugen im Rahmen der Nachhaltigkeitstage in der Klasse 8c

In der Woche vor der Nachhaltigkeitswoche haben wir, die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8c, uns mit unseren Klassenlehrern Frau Dr. Schulte und Herrn Wortberg mit vielen Facetten der DDR beschäftigt. Wir wollten z.B. wissen, wie der Staat aufgebaut war, wie der Alltag aussah, die typische Schullaufbahn.

Wir haben uns aber auch mit dem Bau und Fall der Mauer, dem immer wieder aktuellen Thema Flucht und dem Aufbau und den Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) – oder kurz Stasi – beschäftigt. Dass die Deutsche Demokratische Republik (DDR) nicht demokratisch, sondern diktatorisch geführt wurde, wurde uns an vielen Beispielen deutlich – besonders aber am Wirken der Stasi und der Willkür der Justiz.
Am ersten Tag der Nachhaltigkeitswoche, am 04.07.2017, kamen dazu zwei Zeitzeugen, Sigrid Richter und Peter Keup, zu uns in den Unterricht, um uns von ihrer Vergangenheit als DDR-Bürger und Inhaftierte zu berichten. Die beiden gehören dem Landesverband Nordrhein-Westfalen der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) an. Diese Vereinigung kooperiert mit  dem Institut für Deutschlandforschung (IDF) der Ruhruniversität Bochum (RUB) und engagiert sich nachhaltig für die Erhaltung der Erinnerung getreu dem Motto „Gewalt, Verfolgung und Freiheitskampf bezeugen – Erinnerungen bewahren für eine lebendige Demokratie“. Beide Zeitzeugen sind in der ehemaligen DDR aufgewachsen und sind in die Fänge der Stasi geraten, inhaftiert worden und schließlich als politischer Häftling von der BRD freigekauft worden.
Von 9.00 bis 13.00 Uhr berichteten Sie uns über ihr Aufwachsen in der SED-Diktatur, die Gründe für die Inhaftierung, die Erlebnisse während der zahlreichen Verhöre, die Haftbedingungen sowie die Umstände der Überführung in die BRD.

Bild 6
Zuerst interviewte Herr Keup Frau Richter mit Fragen, die ihren Lebenslauf betrafen. Frau Richter, 1952 geboren, hat als Lehrerin die Fächer Deutsch und Kunsterziehung in Freital unterrichtet. 1984 haben sie und ihr Ehemann für sich und ihren achtjährigen Sohn einen Ausreiseantrag, von da an waren sie im Visier der Stasi. Am 20. März 1985 wurden die Eheleute Richter verhaftet und nach einem halben Jahr U-Haft wegen § 99,100,214 und 219 zu jeweils 4 1/2 Jahren Haft verurteilt. Der Kontakt zu ihrem Sohn wurde ihnen während der gesamten Haft untersagt. Die Richters, die im Gefängnis Hoheneck und Cottbus einsaßen und auch zueinander keinerlei Kontakt hatten,  wurden am 4.11.1986 durch die BRD freigekauft und durften zunächst ohne ihren Sohn in die BRD ausreisen. Erst Monate später durfte auch der damals 11 jähriger Sohn ausreisen.
Es fiel Frau Richter bei manchen Fragen sichtlich schwer zu antworten, da es natürlich - das war uns auch allen bewusst - nicht einfach für sie ist über diese Zeit zu reden.

Wir durften durchgehend Verständnisfragen und natürlich auch thematisch bedingte Fragen stellen. Häufig legten Frau Richter und später auch Peter Keup kurze Pausen ein, damit wir über Gesagtes nachdenken konnten und auch um Fragen zu stellen. Es war sehr interessant und spannend. Jede Frage von uns wurde ausführlich und verständlich beantwortet.

Danach stellte uns auch noch Herr Keup seinen Lebenslauf vor. Peter Keup, der in Bochum und Berlin am Institut für Deutschlandforschung arbeitet, wurde 1958 in Radebeul bei Dresden geboren und stellte 1974 einen Ausreiseantrag. Er musste daraufhin die erweiterte Oberschule Radebeul verlassen, so dass er kein Abitur mehr machen konnte. Zudem wurde ihm die Ausübung seines Lieblingssports untersagt. 1981 startete er einen Fluchtversuch über CSSR/Ungarn nach Österreich, er wollte die Donau durchschwimmen. Der Fluchtversuch wurde vereitelt, er wurde durch das MfS verhaftet und saß in Dresden vier Monate in Untersuchungshaft, um schließlich zu zehn Monaten wegen Vorbereitung zur Republikflucht verurteilt zu werden. 1982 wurde er durch die Bundesrepublik freigekauft.
Auch er beantwortete unsere Fragen sehr genau. Besonders bewegend war, als er von dem Tag berichtete, als er seine Stasi-Akten einsehen durfte: dieser Tag änderte sein Leben, da er erfuhr, dass sein eigener Bruder, der mittlerweile verstorben war, einer seiner Stasi-Spitzel war, der ihn noch in der BRD nach seinem Freikauf bespitzelte und unzählige persönliche Informationen an das MFS lieferte. Er habe seinen Beruf von diesem Tag an an den Nagel gehängt und Geschichte studiert, um nachzuvollziehen, warum sein Bruder das gemacht habe, er wollte alles über die DDR und Stasi erfahren.

Die vier Stunden sind wie im Flug vergangen und wir alle saßen gebannt von den Erzählungen da, um zuzuhören. Jeder von uns konnte sehr viel von diesem Besuch mitnehmen. Wir waren außerdem sehr berührt und uns fehlten teilweise die Worte, wie nah – hautnah - die Zeitzeugen uns die DDR gebracht hatten. "Es erscheint einem irreal, man kann sich die Situationen mit Bild und Ton vorstellen, aber es erscheint einem wie eine Geschichte, welche einem erzählt wird. Man kann es sich nicht vorstellen, wie schrecklich es war und schon gar nicht die Gefühle und Gedanken der betroffenen Person" sagten viele unserer Mitschüler. Es war etwas ganz anderes, als Informationen im Internet oder in einem Buch nachzulesen. Der Besuch der Zeitzeugen hat uns sehr gut gefallen und auch die Zeitzeugen waren begeistert von uns, wie gut wir informiert waren, wie viele detaillierte Fragen wir gestellt haben und wie ruhig und verständnisvoll wir für eine achte Klasse doch seien.

Tessa Wittenberg und Emily Lindner

Für weitere Infos siehe auch:

https://www.waz.de/staedte/muelheim/zeitzeugen-berichten-luisenschuelern-vom-leben-in-der-ddr-id211131663.html

http://redaktion-muelheim.blogspot.de/2017/07/eine-zeitreise-in-die-ddrsigrid-richter.html

 

© 2014 by Luisenschule Mülheim an der Ruhr, Impressum